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Flüstere zu Gott
von Swami Kriyananda direkter Schüler von Paramhansa Yogananda
In Indien erzählte mir vor langer Zeit einmal eine Dame: “Ich habe meinen Pujari (Hauspriester) gefragt, warum er in seinen Gebetszeremonien immer so laut sei. Ich meine, all dies Geschrei und Glockengebimmel – es erscheint mir nicht wirklich notwendig. Nun, er mag andere und bessere Gründe für den ganzen Aufstand haben, doch die Antwort, die er mir gab, war: ‘Sieh' mal, Gott ist taub. Wenn wir nicht viel Lärm machen, dann kann Er uns nicht hören.’”
Der Gedanke, dass Geschrei nötig ist, um Gottes Aufmerksamkeit zu finden, ist natürlich absurd. Gott braucht uns überhaupt nicht zu hören, um zu wissen, was wir beten! Er ist inmitten aller unserer Gedanken. Er ist sogar diese Gedanken! Er ist Alles. Wenn wir allzu sehr äußerlichen Lärm verursachen, während wir zu ihm beten und chanten, dann bewirken wir allerdings, dass wir Ihn abstoßen! Das bedeutet, dass wir unser eigenes Feingefühl für richtige Kommunion mit Ihm zerstören.
Es gibt jedoch guten Grund, anfangs laut zu chanten – nicht um Gottes Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern um unsere eigenen Gedanken und Gefühle zu sammeln.
Wenn wir dann innerlich konzentriert sind, dann sollten wir leise chanten, mit zunehmendem inneren Bewusstsein. Während wir chanten oder beten, sollten wir also innerlich auf seine Antwort lauschen.
Echtes Gebet ist der flüsternde Ruf nach Gott. Seine Wirksamkeit hängt nicht nur von der Wiederholung bestimmter Wortformeln ab, sondern von konzentrierter Aufmerksamkeit. Hingabe ist letztlich, womit Er sich erobern lässt. Mein Guru schrieb in einem seiner Whispers from Eternity (Flüstern aus der Ewigkeit): “Oh, es macht mich verrückt! Ich kann nicht mehr mit Worten, sondern nur noch mit der flüsternden Sehnsucht meiner Seele beten.” Dies ist das Geheimnis wahren Betens. Je mehr wir über das Äußere hinaus und in die innere Stille hinein gehen, desto mehr werden wir uns dessen bewusst, was mein Guru wiederum “Seine lauschende Gegenwart” nannte.
Das Beten und Chanten geschieht schließlich ohne Worte. Es ist die aufwärts gerichtete Sehnsucht der Seele nach ihrem Schöpfer. Wir wurden nicht nur von Gott erschaffen, sondern aus Ihm—aus Seinem eigenen Bewusstsein. Wir sind Teil Seines unendlichen Traumes. Wie es Paramhansa Yogananda formulierte: “Die Seele erkennt, dass sie Gott allein war und zum individuellen Ego wurde. Dann wachte sie auf und erkannte, dass ihre Realität schon immer Gott war.”
Flüstere deswegen ständig von deiner Sehnsucht nach Gott. Das übliche “Mantra”, das im Geist der Leute abläuft, ist: “Ich muss in diesem Unterfangen Erfolg haben! Ich will diesen Mann kennen lernen, oder diese Frau! Ich will diesen Beruf oder jenes Angebot!” Lasse dementsprechend Folgendes dein Flüstern sein: “Herr, Geliebter, offenbare Dich mir! Offenbare Dich!”
Und dann, wenn du auf irgendwelche Weise fehlgehst, bete flüsternd zur Göttlichen Mutter: “Mutter, gut oder schlecht, ich bin Dein Kind. Du musst mich erlösen!”
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